Der Hexensabbat

Passend zur gestrigen Walpurgisnacht möchten wir euch heute die Vorstellungen eines Hexensabbats aus dem Mittelalter näher bringen.

Was ist ein Hexensabbat?

Als Hexensabbat oder Teufelstanz bezeichneten die Hexentheoretiker – also Autoren, die sich vor allem in der Frühen Neuzeit (ca. 15. – 18. Jahrhundert) mit der „Hexenfrage“ befasst haben – ihre Vorstellung eines regelmäßigen, geheimen, nächtlichen Treffens von Hexen und Hexern mit dem Teufel. Diese sollen sich an einem abgelegenen Ort, dem Hexentanzplatz, getroffen haben.

Der Hexensabbat gehört mit Hexenflug, Teufelspakt, Teufelsbuhlschaft und Schadenzauber zu den fünf Hauptelementen der Hexenlehre. Diese Elemente bildeten im 16. und 17. Jahrhundert auch die häufigsten Anklagepunkte in den meist von weltlichen Gerichten durchgeführten Hexenprozessen. Oft endeten diese tödlich für die Angeklagten.

Doch der Glaube an solch einen Hexensabbat gab es schon Jahrhunderte davor.

Ein Marburger Priester beeinflusst den Papst im Glaube an den Hexensabbat

Der Priester Konrad von Marburg (* um 1180-90; † 30. Juli 1233 in Beltershausen bei Marburg), welcher später einer der ersten Inquisitoren wurde, beeinflusste den damaligen Papst Gregor IX. mit seinen Vorstellungen über den Hexensabbat.

Der Marburger Priester schrieb Berichte über dessen angeblich in Deutschland entdeckten Ketzereien. Von diesen Berichten war der Papst sehr angetan. Woraufhin er im Jahre 1233 In seiner päpstliche Bulle (eine Bezeichnung für Urkunden, die wichtige Rechtsakte des Papstes verkünden) schildert, wie solch ein Hexensabbat genausten ausgesehen hat.

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Darstellung Gregors IX. in einem Manuskript aus der Zeit um 1270

Tiere, Sex – Inzucht, Homosexualität, Orgien – und eine glänzende, schwarze Teufelsgestalt, die zusieht

Die Bulle von Georg IX. ist an die Bischöfe von Paderborn, Hildesheim, Verden, Münster und Osnabrück gerichtet, erteilt dem Erzbischof von Mainz und Konrad von Marburg besondere Aufträge und befiehlt ebenfalls gegen die Ketzer vorzugehen.

Die Bulle liest sich wie folgt:

„Wenn ein Novize aufgenommen wird und zuerst in die Schule der Verworfenheit eintritt, so erscheint ihm eine Art Frosch, den manche auch Kröte nennen. Einige geben demselben einen schmachwürdigen Kuss auf den Hintern, andere auf das Maul und ziehen die Zunge nebst dem Geifer des Tieres in ihren Mund. Dieses Tier erscheint manchmal in natürlicher Größe, oft auch in der Große einer Gans oder Ente, in der Regel nimmt es jedoch die Größe eines Backofens an. Wenn nun ein Novize weiter geht, so begegnet ihm ein Mann von wunderbarer Blässe mit schwarzen Augen und so dürr und mager, dass alles Fleisch geschwunden und nur die Haut noch um die Knochen zu hängen scheint. Denselben küsst  der Novize, wobei er fühlt, dass der Mann kalt wie Eis ist, und nach dem Kusse schwindet alle Erinnerung an den katholischen Glauben bis auf die letzte Spur aus seinem Herzen. Hierauf setzt man sich zum Mahle, und wenn man sich nach demselben wieder erhebt, so steigt durch eine Statue, wie sie in solchen Schulen zu sein pflegt, ein schwarzer Kater von der Größe eines mittelmäßigen Hundes rückwärts und mit zurückgebogenem Schwanze herab. Diesen küsst zuerst der Novize auf den Hintern, dann der Meister und weiterhin alle übrigen der Reihe nach, aber nur diejenigen, welche würdig und vollkommen sind; die Unvollkommenen aber, welche sich nicht für würdig halten, erhalten vom Meister den Frieden, und wenn alle ihre Plätze eingenommen, gewisse Sprüche hergesagt und die Häupter gegen den Kater geneigt haben, so sagt der Meister: Schone uns! und spricht dies dem Zunächststehenenden vor, worauf der dritte antwortet: Wir wissen es, Herr! Und ein Vierter hinzufügt: Wir haben zu gehorchen! Nachdem dies vollbracht ist, werden die Lichter ausgelöscht, und man übt die abscheulichste Unzucht ohne Rücksicht auf die Verwandtschaft aus. Sind nun mehr Männer als Weiber zugegen, so üben die Männer mit den Männern die schändlichsten Lüste aus. Auch verkehren die Weiber durch ähnliche Vergehen miteinander den natürlichen geschlechtlichen Umgang in einen unnatürlichen. Wenn nun diese ruchlosen Sünden begangen, die Lichter wieder angebrannt und alle auf ihre Plätze zurückgekehrt sind, so tritt aus einer dunkeln Ecke der Schule, welche diese Abscheulichsten aller Menschen besitzen, ein Mann hervor, der, wie man sagt, oberhalb der Hüften glänzend und strahlender als die Sonne, unterhalb derselben aber rauh wie ein Kater ist, und sein Glanz erfüllt den ganzen Raum. Nun reißt der Meister etwas vom Kleide des Novizen ab und spricht zu dem Glänzenden: Meister, dies ist mir gegeben, und ich gebe es dir wieder! Darauf antwortet der Glänzende: Du hast mir gut gedient und wirst mir mehr und besser dienen; ich gebe dir daher aufzubewahren, was du mir übergeben hast! Unmittelbar nach diesen Worten verschwindet er. […]“

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Francisco Goya: Hexensabbat 1789

Quellen: