Der Geisterbaron Albert von Schrenck-Notzing

Albert Freiherr von Schrenck-Notzing wurde am 18. Mai 1862 in Oldenburg geboren und starb am 12. Februar 1929 in München. Er wurde als reicher und fanatischer Außenseiter beschrieben, der sich für das Okkulte interessierte. Schrenck-Notzing studierte in München Medizin und promovierte 1888 mit dem Thema „Ein Beitrag zur therapeutischen Verwerthung des Hypnotismus“. Schon im darauffolgenden Jahr arbeitete er in München als praktischer Arzt. Ferner widmete er sich der medizinischen Psychologie und wurde der erste Psychotherapeut im süddeutschen Raum. Er wurde unter anderem dadurch bekannt, weil er behauptete „sexuelle Dysfunktionen“, wie Homosexualität, Betroffenen „absuggerieren“ zu können. Vor allem interessierte er sich für die Gebiete der Hypnose und Parapsychologie. 1886 war er Mitbegründer der „Psychologische Gesellschaft“, wo parapsychologische Versuche stattfanden.

Steigendes Interesse für das Okkulte

Durch seine Heirat wurde Schrenck-Notzing finanziell noch unabhängiger und verlagerte seine Forschung auf das Studium „okkulter“ psychophysischer Vorgänge. In seinem Palais richtete er ein okkultistisches Labor ein. Dort veranstaltete er Séancen. Die dabei präsentierten Medien, also Menschen mit angeblichen übersinnlichen Fähigkeiten, konnten unter anderem mit „psychischer Energie“ Erscheinungen formen und folglich materialisieren. Seine Séancen mit dem Materialisationsmedium „Eva C.“, welche eigentlich Marthe Béraud hieß, erregten starkes öffentliches Interesse. Vor allem die Fotographien des „Ekto-“ oder „Teleplasmas“, einer quasi-biologischen Substanz, erzeugten Faszination und Abscheu. Das waren Fotographien von Medien,  die aus Körperöffnungen diese Substanz ausschieden. Schrenck-Notzing deutete dies als „ideoplastische“ Vorgänge, die von angeblichen unbewußten Vorstellungen des Mediums geformt wurden. Einer seiner berühmtesten Besucher und Zuschauer der Séancen war der Schriftsteller Thomas Mann. In Berichten von Thomas Mann wird deutlich, dass dieser keinen Zweifel an der Echtheit der Geisterbeschwörungen des Schrenck-Notzing hatte. In der Weimarer Republik wurde Schrenck-Notzing auch als der „Geisterbaron“ betitelt. Bis heute ist jedoch fraglich, inwieweit es sich bei seinen Séancen um Betrug handelte und wie Schrenck-Notzing die Täuschung aufbaute.

Schrenck-Notzing

Schrenck-Notzing bei einer Séance um 1894

Schrenck-Notzing Medium

Das Foto, um 1920 entstanden, zeigt das Medium Stanislawa P. bei einer Sitzung von Schrenck-Notzing. Aus ihrem Mund tritt sogenanntes „Ektoplasma“ aus. Schrenck-Notzing beschreibt dies als Materialisationsphänomen.

Quellen:

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