Der geile Mönch und das tote Mädchen

Die Gruseltour war dieses Wochenende im sächsischen Görlitz unterwegs. Görlitz ist die östlichste Stadt Deutschlands mit rund 55.000 Einwohnern und schon fast 950 Jahre alt. Deshalb ist es auch eine Stadt voller Sagen und Legenden.

Wir haben euch die Sage vom mordenden Klötzelmönchen mitgebracht. Heute erinnert noch das Hotel „Klötzelmönch“ in der Fleischerstraße an die schreckliche Mordtat des Mönches. Denn für manch einen steckt hinter der Sage eine wahre Begebenheit.

Der Klötzelmönch

In der Fleischerstraße wohnte eine Witwe, welche voller Sorgen war. Ihre Tochter war von der Kirchmesse nicht zurückgekehrt. Sie suchte sie überall und fand sie nirgends. Ein junger Wandersbursche hörte von der Suche und eilte zur Witwe. Er hatte nachts in der Klosterkirche eine merkwürdige Szene beobachtet, welche er berichtete:

Er kam von außerhalb und ging als erstes in die Görlitzer Klosterkirche, um dort zu beten. Aufgrund seiner langen Wanderung war er sehr müde und schlief nach seinem Gebet auf einer der hinteren Bänke ein. Niemand hatte ihn dort liegen sehen. Als er in der Nacht aufwachte, überkam ihm die Angst vor der Stille in der Kirche. Doch die Stille sollte nicht lange währen. Er hörte wie sich knarrend die Tür öffnete und schlürfende Holzpantoffel sich dem Altar näherten. Die Holzklötzer der Pantoffeln klapperten unheimlich in der nächtlichen Stille. Er versteckte sich hinter seiner Bank und beobachtete von dort aus, dass ein gebückter Mönch in die Kirchenhalle eintrat. Doch der Mönch war nicht alleine. Er schleifte ein junges Mädchen hinter sich her. Sie war tot! Der Mönch schritt mit seinen klackenden Pantoffeln auf den Altar zu, wo eine Grabplatte war. Diese öffnete er und warf das tote Mädchen in das Grab hinein. Mit dem Geräusch seiner grässlichen hölzernen Pantoffel verließ er die Halle.

Der Bursche rührte sich bis zum nächsten Morgen, als die ersten Gläubigen die Kirche betraten, nicht. Danach stürmte er hinaus und wusste nicht mehr, ob er all das nur geträumt hatte. Als er nun von dem vermissten Mädchen hörte, erzählte er der Witwe alles was er beobachtet hatte.

Die Bürger eilten zur Kirche, öffneten die Grabplatte und fanden das tote Mädchen. Die Mönche wurden herbeigerufen und der Junge erkannte den Mörder sofort. Der Klötzelmönch leugnete nichts. Er gestand, dass Mädchen zunächst in seine Zelle gelockt und sie dort geschändet zu haben. Aus Angst, sie sage gegen ihn aus, wurde er zum Mörder.

Man erzählt sich, dass der geile Mönch daraufhin aus Strafe lebendig eingemauert wurde. Jedoch soll er als Geist weiterhin sein Unwesen in der Dreifaltigkeitskirche treiben. Es seien bis heute immer noch hölzern klingende Schritte in der Kirche zu vernehmen…

Zeichnung von Günter Hain „Der Klötzelmönch“

Quellen: