Das Kartenspiel stört das geordnete Leben in der Stadt

…und muss verboten werden!

Das Kartenspiel hat eine ruhmreiche Geschichte hinter sich: Mit seinen Höhen und Tiefen.  in unserer heutigen Zeit gilt es als Freizeitaktivität und erscheint nicht verwerflich. Doch das war nicht immer so.

Wo kommen die Spielkarten her?

Leider liegt der Ursprung des Kartenspiels im Dunkeln. Wurden die Karten etwa in Europa erfunden oder doch in Asien? Bis heute kann der Ursprung nicht eindeutig bestimmt werden. Sicher ist aber, dass bereits Mitte des 14. Jahrhunderts in einigen Ländern in Europa Karten gespielt wurden und sich das Spiel seitdem rasend schnell verbreitete. Alle Gesellschaftsschichten interessierten sich nun für das Spiel mit den Karten.

Maßloses Kartenspiel mit negativen Folgen

Schließlich wurde so maßlos Karten gespielt, dass sogar von Spielsucht die Rede war. Obwohl auch die Obrigkeit dem Kartenspiel frönte, sah diese eine Gefahr im Kartenspiel für die Unterschicht. In Predigten und Traktaten wurden immer wieder die negativen Folgen des Kartenspiels benannt: Betrügereien, Verlust von Hab und Gut, und gewalttätige Auseinandersetzungen, die oft in Mord und Totschlag endeten. Trotz all dieser Warnungen hinderte es kaum jemanden daran, sich nicht dem Glücksspiel mit den Karten hinzugeben. Die Obrigkeit hatte daher Angst, dass Kartenspiel störe das vermeintlich geordneten Leben in den Städten. Eine andere Lösung musste gefunden werden.

Verbot des Kartenspiels

Das führte dazu, dass 1367 erstmals in Europa ein Spielverbot in der Stadt Bern erlassen wurde. 10 Jahre später wurden Spielkarten in Florenz und Basel untersagt, 1378 in Regensburg und Konstanz am Bodensee, 1379 im belgischen Brabant und 1397 schließlich auch in Ulm.
Als sich 1378 der Rat der Stadt Regensburg gezwungen sah, die Spielwut in der Stadt zu stoppen, erließ er am 23. Juli mit folgenden Worten ein Spielverbot: „Ez verpitent mein herren allen unsern burgern und burgerin christen und juden daz si nicht spilen in der stat und in iren häwsern bey tag noch bey nacht, … und spilen mit der quarten verpitent mein herren auch…“ Wahrscheinlich wurde dieses Gesetz auch erlassen, weil das Kartenspiel dazu führte, dass die städtischen Bürger den Kirchgang und die Arbeit vernachlässigten oder sich die armen Familien nun komplett ruinierten, da damals fast nur um Geld gespielt wurde.

Heuchelei der Obrigkeit

Es musste natürlich kontrolliert werden, dass das Verbot eingehalten wird. Jedoch richteten sich die Kontrollen gegen die Unterschicht, während die Obrigkeit sich diesen stets entziehen konnte. Sogar die Geistlichen, die gegen das gottlose Spiel predigten, konnten sich den Fängen des Kartenspiels nicht gänzlich entziehen. Obwohl sie oft sogar Initiatoren der Verbote waren und Spielkarten öffentlich verbrennen ließen. Um das zu umgehen, erfanden die Bürger immer wieder neue Namen für die Spiele, obwohl die Regeln fast gleich blieben. Die Landesfürsten erkannten schließlich auch die finanziellen Möglichkeiten, die das Glücksspiel mit sich bringen konnte und so wurde mancherorts eine Spielkartensteuer eingeführt.

Doch das Interesse der Bürger am Kartenspiel war groß und konnte nicht gestoppt werden. So entwickelte sich das Spiel trotz (oder gerade aufgrund) der Verbote rasant weiter.

Tier_Dame

Die Karte „Tier-Dame“, um 1466 von Meister E. S. entworfen, Bodenseegegend

Quellen: