Das Geisterschiff vor Emden

Emden ist eine Stadt im Nordwesten von Niedersachsen und die größte Stadt Ostfrieslands mit ca. 50.000 Einwohnern. Die Stadt ist als friesischer Handelsort um das Jahr 800 entstanden und bis heute wesentlich durch ihren Seehafen geprägt.

Wie in jede Hafenstadt gibt es auch in Emden schaurige Geschichten über tote Seemänner. Wir möchten euch die Sage über das Emdener Geisterschiff vorstellen.

Das Geisterschiff

Einst gab es einen gewaltigen Nordweststurm, der über Emden losbrach. Bei diesem Wetter wurde ein großes Schiff, das lange auf fremden Meeren war, sehnlichst zurückerwartet. Bei der Einfahrt in die Ems war es bereits gesichtet und gemeldet worden und erschien des Nachts mit vollen Segeln vor der Stadt. Bald schon war es dem schützenden Hafen nahe. Man sah bei dem trüben Lampenschein die Seeleute sich tummeln, um die Landung vorzubereiten. Die Kommandorufe des Kapitäns übertönten den Sturm. Plötzlich wurde das Schiff von einer enormen Sturmböe erfaßt. Mit einem Ruck wurde es emporgehoben, niedergetaucht, wieder aufgehoben, herumgewirbelt und dann in die Tiefe hinabgestampft. Vierzig brave Emdener Seeleute riefen durch die Nacht um Hilfe, und die Leute am Ufer erfaßte Grauen und Mitleid mit ihren Vätern und Brüdern, die im Angesicht ihrer Vaterstadt so jämmerlich zugrunde gehen sollten. Man verlangte vom Hafenschließer das Wachtboot, um die Seeleute zu retten, unter denen sein eigener Sohn war; aber er weigerte sich, es herzugeben, weil er den Schiffskapitän auf den Tod haßte, und sprach: »Die Barke bleibt hier! Es wäre nutzlos, sie ausgehen zu lassen, auch hat der Kapitän es nicht besser verdient, als es ihm jetzt da draußen geschenkt wird!« Endlich zwang man ihn den Schlüssel herzugeben, aber da war es längst zu spät, das Schiff war mit Mann und Maus versunken.

Gemälde von Claude Joseph Vernet (1714-1789) – Englischer Titel: Seascape – Tempest

Noch heute…

Was bei dieser Sage nicht fehlen darf, ist die Verbindung zur Gegenwart. So wird der Sage hinzugefügt, dass noch heute, wenn von Nordwesten ein Sturm aufzieht, um Mitternacht ein Geisterschiff auftaucht. Das Schiff sei dann in blaues Licht gehüllt. Die Befehle des Kapitäns und die Angstschreie der Matrosen wären zu hören, wenn man ganz genau lauscht.

Quellen: