Bilsenkraut – Das giftige Hexenkraut

Das Schwarze Bilsenkraut (Hyoscyamus Niger) wird auch „Hexenkraut“ bezeichnet. Es ist eine Pflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse. Es ist in Eurasien und Afrika weit verbreitet: von Skandinavien bis Südeuropa, in Nord- und Westasien, in Nordindien und Nordafrika. In Deutschland, Österreich und der Schweiz kommt das Schwarze Bilsenkraut nicht so oft vor, aber wenn dann wächst es an Wegrändern, Mauern oder dergleichen. Es bevorzugt frische, nährstoff- und stickstoffreiche Sand- oder Lehmböden.

Vorsicht: Bilsenkraut ist extrem giftig!

Das Bilsenkraut wird umgangssprachlich auch als Hexenpflanze, Teufelsauge, Hühnertot oder Zigeunerkraut bezeichnet. Das liegt an seiner berauschenden Wirkung, welche seit Jahrhunderten bekannt ist. Selbstversuche brachten in der der Vergangenheit nicht immer den gewünschten berauschenden Erfolg, sondern führten zu schweren Vergiftungen. Vergiftungssymptome sind neben Hautrötung, trockenem Mund, Unruhe, Schläfrigkeit oder Halluzinationen, Verwirrtheit, Pupillenerweiterung, Herzrhythmusstörungen und komatöse Zustände, Bewusstlosigkeit sowie Tod durch Atemlähmung. Das Bilsenkraut ist wirklich stark giftig! Schon 0,5 Gramm wirken giftig und 15 Samen können für Kinder sogar tödlich sein.

Die Zauberpflanze und ihre Verwendungen

Jedoch gehört das Bilsenkraut gerade durch seine berauschende Wirkung zu den ältesten „Zauberpflanzen“ Eurasiens. Für die Kelten war Bilsenkraut eine göttliche, dem Sonnengott Belenos, geweihte Pflanze. Wahrscheinlich versetzte die Orakelpriesterin von Delphi in Griechenland sich mit einer Mischung aus geräuchertem Bilsenkraut und Lorbeer in Trance. In der antiken Medizin wurden Bestandteile des Bilsenkrautes bei Schmerzen verwendet, das Bilsenkraut soll in der richtigen Dosierung krampflösend gewirkt haben. Bekannt wurde die Pflanze vor allem durch die Hexenprozesse der Neuzeit. Bilsenkraut soll nämlich ein Bestandteil von Hexensalben gewesen sein. Als angebliches wirksames Aphrodisiakum soll es die Durchblutung der Unterleibsorgane gefördert haben. Die getrockneten Blätter und Samen wurden früher mit anderen Kräutern und Pflanzen, wie Hanf oder Salbei geraucht. In mittelalterlichen Badehäusern wurde es geräuchert. Später verkam das Bilsenkraut zum „Liebeszwinger“, mit dem Frauen gefügig gemacht wurden.

Eine alte Abbildung des Bilsenkrautes

Eine alte Abbildung des Bilsenkrautes, Zeichner und Jahr unbekannt

Bilsenkraut im Bier

Bis ins 17. Jahrhundert wurde auch Bier mit den Samen des Bilsenkrautes versetzt, um seine Wirkung zu verstärken. Obwohl verschiedene Quellen angeben, dass auch der Name der Stadt Pilsen, aus der das bekannte Pilsner Bier stammt, in Zusammenhang mit dem Anbau des Bilsenkraut („Pilsenkraut“) steht, ist diese (volks-)etymologische Zuordnung umstritten.

Schwarzes Bilsenkraut

Das Schwarze Bilsenkraut

Quellen: