„Bein zu Bein, Blut zu Blut“
– Jahrhundertealte Zaubersprüche

Sie stammen aus dem 9./10. Jahrhundert und ihre Herkunft ist unbekannt – die Merseburger Zaubersprüche. Die althochdeutsche Handschrift wurde erst im November 1841 in der Bibliothek des Merseburger Domkapitals entdeckt. Es handelt sich dabei um zwei Sprüche in denen Zauberformeln beschrieben werden. Inhalt des einen ist ein Spruch zur Befreiung von Gefangenen, der zweite hat die Heilung der Beinverletzung eines Pferdes durch germanische Götter zum Gegenstand.

Einst setzten sich Idisen,
setzten sich hierher…
Manche hefteten Haft,
manche hemmten das Heer,
Einige zerrten an den Fesseln.
Entspring den Haftbanden,
entfahr den Feinden!
Phol und Wodan ritten ins Holz.
Da ward dem Fohlen Balders der Fuß verrenkt.
Da besprach ihn Sinthgunt [und] Sunna,
ihre Schwester,
Da besprach ihn Frija [und] Volla,
ihre Schwester,
Da besprach ihn Wodan,
wie [nur] er es verstand:
So Knochenrenke wie Blutrenke
Wie Gliedrenke:
Bein zu Bein, Blut zu Blut,
Glied zu Gliedern, als ob geleimt sie seien!
220px-Merseburger_zaubersprueche_farbig